Achtung: Winteraward Januar '27 im Forum Mannheim

Inter­view — Gerald und Tina

Fig­gy Sti­cky Rice – Brü­ckena­ward-Vibe in a Nutshell

Dan­ke erst­mal für eure jah­re­lan­ge Treue. Ihr seid bei nahe­zu jedem Event von uns da, powert beim Auf­bau, spä­ter an der Bar und über Nacht pen­nen dann auch noch jedes Jahr Bands bei euch zuhau­se. Als Hosts der berühmt-berüch­tig­ten Brü­ckena­ward-Weih­nachts­fei­ern stellt ihr nicht nur euer Zuhau­se zur Ver­fü­gung, son­dern sorgt mit eurer legen­dä­ren Gast­freund­schaft auch dafür, dass es uns an nichts fehlt.

Dan­ke von Her­zen.

Zwei Erwachsene sitzen nebeneinander in einem Fahrzeug. Der Mann trägt eine Sonnenbrille und ein T-Shirt mit der Abbildung einer Katze mit großen Augen. Die Frau hat langes Haar und trägt ein buntes Oberteil.

Wie kamt ihr unter die Brü­cke?

Qua­si auto­ma­tisch, so ganz genau wis­sen wir das nicht mehr. Mit dem ers­ten Brü­ckena­ward ist es wie mit den 80ern: Wer sich dran erin­nern kann, hat’s nicht erlebt. Jeden­falls waren wir bei der Ver­eins­grün­dung dabei. Bei Mar­tin am Küchen­tisch, amt­lich, voll­zäh­lig und nota­ri­ell beglau­bigt – Tina hat das ers­te Ver­eins­pro­to­koll geschrie­ben.

Ein Grün­dungs-Mythos ist ja, dass Mar­tin und Chris in Güs­trow auf­ein­an­der getrof­fen sind. Bei einem die­ser Fuß­ball und Kon­zert-Kom­bi­na­tio­nen, die der lei­der viel zu früh gegan­ge­ne Frank Vöge­ly orga­ni­sier­te. Wir haben da auch mit­ge­mischt und Mar­tin eben­falls dort ken­nen gelernt, Chris kann­ten wir vor­her schon gut und gern. Na ja, auf einem alten Guts­hof im Meck-Pom­mer Nir­gend­wo zu zel­ten und dabei mit Locals kicken und ein klei­nes Fes­ti­val gemein­sam mit der „geg­ne­ri­schen“ Mann­schaft … Muss­te ja gut wer­den, was dabei rum­kommt, und auch Frank wäre sicher ziem­lich ein­ver­stan­den mit allem, was sich dar­aus ent­wi­ckelt hat.

Klar ist, dass wir beim ers­ten BA in Urlaub waren, der Ter­min Ende August ist in Urlaubs-Hin­sicht auch das ein­zig nega­ti­ve am Brü­ckena­ward. Zwei Wochen nach hin­ten und gut ist’s, das hie­ße auch 30 Minu­ten mehr Light­show.

Ich glau­be beim zwei­ten Award, der dann wegen Unwet­ter gar nicht unter der Brü­cke, son­dern im Forum war, haben wir bei­de mit Bono­bo Riot dann direkt selbst gespielt. Wann wir das ers­te Mal hin­term Tre­sen stan­den: Kei­ne Ahnung, s.o.

Wie auch immer, das qua­si auto­ma­tisch stimmt auf vie­len Ebe­nen. Wir kom­men bei­de aus eher länd­lich gepräg­ten Struk­tu­ren (Tina Heil­bron­ner Raum, Gerald Oden­wald) und machen seit der Prä-Inter­net-Ära Musik. Die gan­ze Hal­tung, die hin­ter dem Brü­ckena­ward steht, ken­nen und leben wir von Grund auf, das ist im Lauf der Jah­re prak­tisch in unse­re DNA über­ge­gan­gen. Mach selbst was, sonst macht’s kei­ne – das ist ja nicht nur etwas, was aus der Not ent­steht, son­dern auch ein Stück Frei­heit. Wald- und Wie­sen-Kon­zer­te orga­ni­sie­ren, um damit das nächs­te Demo-Tape oder sogar ein Album zu finan­zie­ren und all das. Wir wären unter allen Umstän­den frü­her oder spä­ter unter die­ser wun­der­ba­ren Brü­cke gelan­det.

Gibt es die Top 3 bes­ten, lus­tigs­ten, oder auch absur­des­ten Momen­te aus 15 Brü­ckena­wards, an die ihr euch ger­ne erin­nert?

Puh. Hat bei mir ver­däch­tig oft mit dem Abbau zu tun. Nach zwei Tagen Brü­ckena­ward noch bis tief in die Nacht schwe­res Gerät abbau­en lockert die Syn­ap­sen. Also Nr. 1: Ich auf den Knien, mit einem feind­lich geson­ne­nen, hart­kan­ti­gen Büh­nen-Teil kämp­fend, über­mü­det, alko­ho­li­siert aber full of love & peace. Die Ladies bau­en so 30 m wei­ter die Bar ab – und begin­nen zu sin­gen. Kei­ne Ahnung mehr was, aber es war weich wie der Wind und wun­der­schön. Ein Moment zum Nie­der­knien, und ich war in der pas­sen­den Posi­ti­on. Har­te Malo­che und pure Tran­szen­denz, Brü­ckena­ward-Vibe in a Nutshell.

Der zwei­te Moment geht steil nach oben: Ich zu spä­ter Stun­de wie­der auf Knien, beim Brü­ckena­ward mit­mi­schen, das bedeu­tet auch Demut. Dies­mal schrau­ben Mar­tin, Mari­us, Ingolf und ich zusam­men die Bar aus­ein­an­der. Kurz vor­her fiel der schö­ne Satz, gerecht­fer­tigt oder auch nicht: „Mari­us, Gerald, sor­ry, immer, wenn ich euch sag, was zu tun ist, ver­gess‘ ich, wie besof­fen ihr eigent­lich seid“. In die­se Sze­ne­rie stol­pert eine noch auf der Wie­se wei­len­de Gäs­tin und infor­miert uns: „Wisst ihr eigent­lich, dass da grad einer den Strom­mast hoch­klet­tert?“. Nein, wuss­ten wir nicht (kniend, schwit­zend, spät, evtl. war Alko­hol im Spiel …). Die Rede ist von dem Strom­mast direkt neben der Eisen­bahn­brü­cke, die unse­rem fan­tas­ti­schen, klei­nen Fes­ti­val den Namen gibt – der die­sel­be aber um cir­ca 980 m über­ragt. Also Lage ernst, kein Rin­gel­piez, kein Pony­hof. Waren wir dann auch humor­los, haben die Poli­zei geru­fen und den lebens­mü­den Trot­tel da oben von da an wie­der igno­riert. Wir hat­ten schließ­lich zu tun.

Wenn wir schon bei Absur­di­tä­ten sind: Die Brü­ckena­ward-Weih­nachts-Band bei unse­rer ers­ten Weih­nachts­fei­er darf hier nicht uner­wähnt blei­ben. Die Beset­zung bestand aus dem Brü­ckena­ward-Core-Team, es gab rich­ti­ge Weih­nachts­lie­der und eine Tri­an­gel. David Lynch hät­te sei­ne Freu­de an der Dar­bie­tung auf dem Bür­ger­steig gehabt, spe­zi­ell die Sze­ne als der Bus vor­bei­fuhr. Weil wir aber in Mann­heim sind und nicht in Seat­tle und schon gar nicht in Hol­ly­wood, kam halt doch wie­der nur die Poli­zei. Dies­mal nicht von uns geru­fen, aber dies­mal haben sie sich deut­lich bes­ser amü­siert.

Es ist Brü­ckena­ward-Frei­tag, ihr kommt zum Auf­bau am Vor­mit­tag aufs Gelän­de. Beschreibt eure Gefühls­la­ge.

Eine wil­de Mischung aus Vor­freu­de, end­lich ist’s wie­der soweit und Demut und Stolz, dass wir dabei sind.

Was erwar­tet eine Band, die nach erfolg­rei­chem Gig auf dem BA bei euch über­nach­tet? Was bedeu­tet das für euch an Vor­be­rei­tung?

Vor­be­rei­tung bedeu­tet bissl Arbeit, aber wir wol­len hier ja nicht übers Bet­ten bezie­hen plau­dern. Was eine Band erwar­tet? Ein ver­stimm­tes Kla­vier. Wir ver­mu­ten, es passt schon alles irgend­wie. Wir hat­ten vor ein paar Jah­ren das Ver­gnü­gen Yin Yin aus Maas­tricht bei uns zu beher­ber­gen und so 10 Tage spä­ter mel­den sie sich wie­der: Sie hät­ten so ein Video-Ding in Mann­heim und ob es wohl mög­lich wäre, wie­der bei uns zu näch­ti­gen? Schein­bar stimmt der Ser­vice also soweit. Uns macht’s Spaß, und es war auch immer lus­tig und inter­es­sant. Yin Yin haben aus dem ver­stimm­ten Ding übri­gens erstaun­lich viel raus­ge­holt. Talen­tier­te Typen.

Wel­che Bands wür­det ihr für den BA 2027 buchen, freie Wahl! Habt ihr sonst Wün­sche für die nächs­te Aus­ga­be?

Tro­pi­cal Fuck Storm, ein­fach weil sie die bes­te Band der Welt sind. Und sie hät­ten sicher viel Spaß unter der Brü­cke. Wir und ihr auch, ver­spro­chen. Dann natür­lich alle Bands, in die wir selbst invol­viert sind, weil, es ist ja nicht so, dass wir den Part of the Game nicht lie­ben wür­den: Bono­bo Riot, Boobams, Cel­lu­loid, In Black Turt­len­eck, Paper Dam. Wir und ihr hät­ten dann übri­gens schon wie­der Spaß. Dazu müss­ten sich aller­dings eh erst mal alle Band-Mit­glie­der auf­raf­fen (ihr wisst wer ihr seid 😉) oder sich zufäl­lig auf dem­sel­ben Kon­ti­nent auf­hal­ten.

Davon ab: Ihr macht das mit dem Boo­king seit Jah­ren wirk­lich abso­lut fan­tas­tisch. Also ein­fach wei­ter so, ihr Swee­ten.

Ihr dürft einen Stand  auf dem Gelän­de des Brü­ckena­wards eröff­nen. Was wür­de die Besu­cher dort erwar­ten?

Die Visi­on einer bes­se­ren Welt, drun­ter tun wir’s nicht. Wie wir das mit einem Stand beim BA hin­krie­gen und ob da ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Netz­werk, Schnaps oder die Mischung aus bei­dem die Mit­tel der Wahl wären? Wir dis­ku­tie­ren seit wir die­se Fra­ge gele­sen haben. Wenn jemand da Vor­schlä­ge hät­te? Viel­leicht ver­schen­ken wir da auch ein­fach nur die Fei­gen unse­res Fei­gen­bäum­chens und sin­nie­ren über die Anti-Aggres­si­ons-Maß­nah­men der Bono­bos?

Eure Mei­nung zu man­go sti­cky rice? Was wäre eine gute Alter­na­ti­ve?

Lecker. Aber eigent­lich isser uns auch rela­tiv egal. Eine Alter­na­ti­ve wäre aber Sti­cky Rice mit unse­ren Fei­gen. Also Fig­gy Sti­cky Rice. Das wür­de geschmack­lich top­pen, ist nach­hal­tig, bio und öko. Und klingt gei­ler.

Gibt es etwas, dass ihr sonst noch los­wer­den wollt?

Merkt man dem Gan­zen hier eigent­lich an, dass grad Fei­gen-Sai­son ist?
Ok, wir wol­len und wün­schen natür­lich, dass wir wei­ter mit dem Brü­ckena­ward und allen Leu­ten drum­rum in Wür­de altern dür­fen. So wie er ist oder in sinn­vol­len Trans­for­ma­tio­nen – aber wei­ter soll­te es mit unse­rem klei­nen sub­kul­tu­rel­len Klein­od schon gehen. Das „Dan­ke von Her­zen“ hier auch wie­der Retour an Mar­tin, Chris, Ache und Tobi. Wir und vie­le ande­re hel­fen gern und manch­mal viel, aber wir wis­sen alle, dass wir eben nur hel­fen und ihr macht’s.

Übri­gens: Wir bei­de haben uns rund um den Mann­heim Music Award 2004 ken­nen und lie­ben gelernt. Das Ding hieß wirk­lich so, und der Brü­ckena­ward hat das Wor­ding also mit Fug und Recht ver­ball­hornt. Wir sind uns sehr sicher: Das und wir sind das ein­zig nach­hal­ti­ge von Wert, das die­ses For­mat je her­vor­ge­bracht hat. Aber das ist ja auch nicht wenig.

Lest Tom Rob­bins!

Schlech­ten Witz noch?

Pophaupt­stadt und offi­zi­el­le UNESCO City of Music.

Dan­ke für eure Zeit! Love!

Brückenaward