Figgy Sticky Rice – Brückenaward-Vibe in a Nutshell
Danke erstmal für eure jahrelange Treue. Ihr seid bei nahezu jedem Event von uns da, powert beim Aufbau, später an der Bar und über Nacht pennen dann auch noch jedes Jahr Bands bei euch zuhause. Als Hosts der berühmt-berüchtigten Brückenaward-Weihnachtsfeiern stellt ihr nicht nur euer Zuhause zur Verfügung, sondern sorgt mit eurer legendären Gastfreundschaft auch dafür, dass es uns an nichts fehlt.
Danke von Herzen.
Wie kamt ihr unter die Brücke?
Quasi automatisch, so ganz genau wissen wir das nicht mehr. Mit dem ersten Brückenaward ist es wie mit den 80ern: Wer sich dran erinnern kann, hat’s nicht erlebt. Jedenfalls waren wir bei der Vereinsgründung dabei. Bei Martin am Küchentisch, amtlich, vollzählig und notariell beglaubigt – Tina hat das erste Vereinsprotokoll geschrieben.
Ein Gründungs-Mythos ist ja, dass Martin und Chris in Güstrow aufeinander getroffen sind. Bei einem dieser Fußball und Konzert-Kombinationen, die der leider viel zu früh gegangene Frank Vögely organisierte. Wir haben da auch mitgemischt und Martin ebenfalls dort kennen gelernt, Chris kannten wir vorher schon gut und gern. Na ja, auf einem alten Gutshof im Meck-Pommer Nirgendwo zu zelten und dabei mit Locals kicken und ein kleines Festival gemeinsam mit der „gegnerischen“ Mannschaft … Musste ja gut werden, was dabei rumkommt, und auch Frank wäre sicher ziemlich einverstanden mit allem, was sich daraus entwickelt hat.
Klar ist, dass wir beim ersten BA in Urlaub waren, der Termin Ende August ist in Urlaubs-Hinsicht auch das einzig negative am Brückenaward. Zwei Wochen nach hinten und gut ist’s, das hieße auch 30 Minuten mehr Lightshow.
Ich glaube beim zweiten Award, der dann wegen Unwetter gar nicht unter der Brücke, sondern im Forum war, haben wir beide mit Bonobo Riot dann direkt selbst gespielt. Wann wir das erste Mal hinterm Tresen standen: Keine Ahnung, s.o.
Wie auch immer, das quasi automatisch stimmt auf vielen Ebenen. Wir kommen beide aus eher ländlich geprägten Strukturen (Tina Heilbronner Raum, Gerald Odenwald) und machen seit der Prä-Internet-Ära Musik. Die ganze Haltung, die hinter dem Brückenaward steht, kennen und leben wir von Grund auf, das ist im Lauf der Jahre praktisch in unsere DNA übergegangen. Mach selbst was, sonst macht’s keine – das ist ja nicht nur etwas, was aus der Not entsteht, sondern auch ein Stück Freiheit. Wald- und Wiesen-Konzerte organisieren, um damit das nächste Demo-Tape oder sogar ein Album zu finanzieren und all das. Wir wären unter allen Umständen früher oder später unter dieser wunderbaren Brücke gelandet.
Gibt es die Top 3 besten, lustigsten, oder auch absurdesten Momente aus 15 Brückenawards, an die ihr euch gerne erinnert?
Puh. Hat bei mir verdächtig oft mit dem Abbau zu tun. Nach zwei Tagen Brückenaward noch bis tief in die Nacht schweres Gerät abbauen lockert die Synapsen. Also Nr. 1: Ich auf den Knien, mit einem feindlich gesonnenen, hartkantigen Bühnen-Teil kämpfend, übermüdet, alkoholisiert aber full of love & peace. Die Ladies bauen so 30 m weiter die Bar ab – und beginnen zu singen. Keine Ahnung mehr was, aber es war weich wie der Wind und wunderschön. Ein Moment zum Niederknien, und ich war in der passenden Position. Harte Maloche und pure Transzendenz, Brückenaward-Vibe in a Nutshell.
Der zweite Moment geht steil nach oben: Ich zu später Stunde wieder auf Knien, beim Brückenaward mitmischen, das bedeutet auch Demut. Diesmal schrauben Martin, Marius, Ingolf und ich zusammen die Bar auseinander. Kurz vorher fiel der schöne Satz, gerechtfertigt oder auch nicht: „Marius, Gerald, sorry, immer, wenn ich euch sag, was zu tun ist, vergess‘ ich, wie besoffen ihr eigentlich seid“. In diese Szenerie stolpert eine noch auf der Wiese weilende Gästin und informiert uns: „Wisst ihr eigentlich, dass da grad einer den Strommast hochklettert?“. Nein, wussten wir nicht (kniend, schwitzend, spät, evtl. war Alkohol im Spiel …). Die Rede ist von dem Strommast direkt neben der Eisenbahnbrücke, die unserem fantastischen, kleinen Festival den Namen gibt – der dieselbe aber um circa 980 m überragt. Also Lage ernst, kein Ringelpiez, kein Ponyhof. Waren wir dann auch humorlos, haben die Polizei gerufen und den lebensmüden Trottel da oben von da an wieder ignoriert. Wir hatten schließlich zu tun.
Wenn wir schon bei Absurditäten sind: Die Brückenaward-Weihnachts-Band bei unserer ersten Weihnachtsfeier darf hier nicht unerwähnt bleiben. Die Besetzung bestand aus dem Brückenaward-Core-Team, es gab richtige Weihnachtslieder und eine Triangel. David Lynch hätte seine Freude an der Darbietung auf dem Bürgersteig gehabt, speziell die Szene als der Bus vorbeifuhr. Weil wir aber in Mannheim sind und nicht in Seattle und schon gar nicht in Hollywood, kam halt doch wieder nur die Polizei. Diesmal nicht von uns gerufen, aber diesmal haben sie sich deutlich besser amüsiert.
Es ist Brückenaward-Freitag, ihr kommt zum Aufbau am Vormittag aufs Gelände. Beschreibt eure Gefühlslage.
Eine wilde Mischung aus Vorfreude, endlich ist’s wieder soweit und Demut und Stolz, dass wir dabei sind.
Was erwartet eine Band, die nach erfolgreichem Gig auf dem BA bei euch übernachtet? Was bedeutet das für euch an Vorbereitung?
Vorbereitung bedeutet bissl Arbeit, aber wir wollen hier ja nicht übers Betten beziehen plaudern. Was eine Band erwartet? Ein verstimmtes Klavier. Wir vermuten, es passt schon alles irgendwie. Wir hatten vor ein paar Jahren das Vergnügen Yin Yin aus Maastricht bei uns zu beherbergen und so 10 Tage später melden sie sich wieder: Sie hätten so ein Video-Ding in Mannheim und ob es wohl möglich wäre, wieder bei uns zu nächtigen? Scheinbar stimmt der Service also soweit. Uns macht’s Spaß, und es war auch immer lustig und interessant. Yin Yin haben aus dem verstimmten Ding übrigens erstaunlich viel rausgeholt. Talentierte Typen.
Welche Bands würdet ihr für den BA 2027 buchen, freie Wahl! Habt ihr sonst Wünsche für die nächste Ausgabe?
Tropical Fuck Storm, einfach weil sie die beste Band der Welt sind. Und sie hätten sicher viel Spaß unter der Brücke. Wir und ihr auch, versprochen. Dann natürlich alle Bands, in die wir selbst involviert sind, weil, es ist ja nicht so, dass wir den Part of the Game nicht lieben würden: Bonobo Riot, Boobams, Celluloid, In Black Turtleneck, Paper Dam. Wir und ihr hätten dann übrigens schon wieder Spaß. Dazu müssten sich allerdings eh erst mal alle Band-Mitglieder aufraffen (ihr wisst wer ihr seid 😉) oder sich zufällig auf demselben Kontinent aufhalten.
Davon ab: Ihr macht das mit dem Booking seit Jahren wirklich absolut fantastisch. Also einfach weiter so, ihr Sweeten.
Ihr dürft einen Stand auf dem Gelände des Brückenawards eröffnen. Was würde die Besucher dort erwarten?
Die Vision einer besseren Welt, drunter tun wir’s nicht. Wie wir das mit einem Stand beim BA hinkriegen und ob da ein Kommunikations-Netzwerk, Schnaps oder die Mischung aus beidem die Mittel der Wahl wären? Wir diskutieren seit wir diese Frage gelesen haben. Wenn jemand da Vorschläge hätte? Vielleicht verschenken wir da auch einfach nur die Feigen unseres Feigenbäumchens und sinnieren über die Anti-Aggressions-Maßnahmen der Bonobos?
Eure Meinung zu mango sticky rice? Was wäre eine gute Alternative?
Lecker. Aber eigentlich isser uns auch relativ egal. Eine Alternative wäre aber Sticky Rice mit unseren Feigen. Also Figgy Sticky Rice. Das würde geschmacklich toppen, ist nachhaltig, bio und öko. Und klingt geiler.
Gibt es etwas, dass ihr sonst noch loswerden wollt?
Merkt man dem Ganzen hier eigentlich an, dass grad Feigen-Saison ist?
Ok, wir wollen und wünschen natürlich, dass wir weiter mit dem Brückenaward und allen Leuten drumrum in Würde altern dürfen. So wie er ist oder in sinnvollen Transformationen – aber weiter sollte es mit unserem kleinen subkulturellen Kleinod schon gehen. Das „Danke von Herzen“ hier auch wieder Retour an Martin, Chris, Ache und Tobi. Wir und viele andere helfen gern und manchmal viel, aber wir wissen alle, dass wir eben nur helfen und ihr macht’s.
Übrigens: Wir beide haben uns rund um den Mannheim Music Award 2004 kennen und lieben gelernt. Das Ding hieß wirklich so, und der Brückenaward hat das Wording also mit Fug und Recht verballhornt. Wir sind uns sehr sicher: Das und wir sind das einzig nachhaltige von Wert, das dieses Format je hervorgebracht hat. Aber das ist ja auch nicht wenig.
Schlechten Witz noch?
Pophauptstadt und offizielle UNESCO City of Music.
Danke für eure Zeit! Love!


